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[BILD] ITM BicepTube Detlef Schüddemage

Detlef Schüddemage

Uetze (D)

Gerät: ITM BicepTube

Als vorbildliche Lösung veröffentlicht in "praktiker" Nr. 12 / 2002.


Liebes Praktiker-Team,

erstmal vielen Dank für die präzise Bauanleitung und den wirklich hervorragenden Verstärker. Da ich den Verstärker äußerlich etwas modifiziert habe, sende ich Ihnen meine Fotos zu.

Ich habe schon als Jugendlicher viel mit Röhren gebastelt. Leider hatte ich damals nicht das Geld mir die teuren Ausgangstrafos zu leisten. Deshalb musste ich alte defekte Röhrenradios "ausschlachten" und dort die Teile ausbauen, um mir ein neues Gerät zu basteln. Hochwertige Geräte konnte man damit natürlich nicht herstellen. So viel zur Vorgeschichte.

Meine Motivation, ITM BicepTube zu bauen war, dass mein alter Verstärker leider in die Jahre gekommen ist. Da ich ein neues Gerät brauchte, habe ich im Web gesurft. Dabei bin ich auf die Seite eines Röhrenverstärkers aus Italien gestoßen (http://web.tiscali.it/thesoundofthevalve/). Das Gerät sieht wirklich gut aus. So ein Verstärker ist natürlich sehr kostspielig, wobei der Preis wahrscheinlich gerechtfertigt ist, da sehr viel Handarbeit zur Herstellung notwendig ist. Deshalb suchte ich im Web nach Alternativen. Dabei habe ich den Selbstbauröhrenverstärker von ITM praktiker gefunden.

Das Äußere habe ich jedoch dann nach meinen Vorstellungen verändert.

Die Bauteilbeschaffung war bis auf die lange Wartezeit problemlos, da ich die Teile bei Herrn Paltauf bestellt habe. Noch einmal vielen Dank an Herrn Paltauf, für eine eventuelle Unterstützung falls etwas schief geht. Die Teile waren preislich sehr günstig und qualitativ hochwertig.

Der Aufbau des Gerätes ist völlig problemlos. Die Bauteile auf der Platine habe ich etwas anders eingelötet als es in der Bauanleitung vorgeschrieben war. Die ECC83 Fassungen sind aufgeständert (siehe Bild 4), damit sie bündig mit den Kondensatoren sind. Bei dem fertigen Verstärker ist sonst nur der Kopf der Röhre zu sehen. Man sieht im Bild links unten noch 3 Kondensatoren vom Netzteil, die ich auf die andere Seite gelötet habe, um oben möglichst dicht mit den Röhrensockeln an die Messingplatte heranzukommen.

ITM praktiker hat nicht zu viel versprochen. Der Verstärker rauscht nicht und klingt wirklich hervorragend. Ich verwende hier die schwächere Triodenschaltung, da ich ohnehin neue Lautsprecher bauen muss.

Jetzt geht es an die Messingplatte. Als Heimwerker stehen mir dummerweise keine großen Bohrmaschinen zur Verfügung und ich musste alle Löcher per Hand feilen. Die Messingplatte - 39cm Durchmesser (4mm stark) - habe ich vorher mit einer Kunststofffolie (Elefantenhaut für Bücher) beklebt, damit es nicht unnötig Schrammen gibt. Erstaunlicherweise hat meine Stichsäge das Messing anstandslos gesägt.

Sehr aufwendig ist das Aufpolieren der Messingplatte mit 120er-, 600er-, 1000er-Schmirgelpapier und zuletzt Nassschliff. Dann kommt Polierpaste und zum Schluss Messingpolitur.

Die Platine konnte nun an das fertige Blech angeschraubt werden.

Jetzt musste das Holz in Form gebracht werden. Die Eichenleisten sind 3-lagig kreuzweise zusammengeleimt.

Leider trat jetzt ein Problem mit meinem Holz auf. Das Eichenholz war und ist noch zu frisch. Es gibt unschöne Trockenrisse. Wenn es nicht mehr Risse werden, kann ich die Risse mit Eichenspachtel annähernd unsichtbar machen. Im Notfall muss ich noch ein neues Gehäuse herstellen.

Auch habe ich mangels passender Fräser leichte Probleme die Bauteile in das Holz einzulassen. Die Rückseite ist daher nicht so gut gelungen, weil der Fräser größer ist als die Messingschiene (ehemalige Teppichschiene).

Eine wichtige Einschränkung ist bei der offenen Bauweise mit außen liegenden Röhren zu beachten: Die Spannungen im Gerät sind keine Peanuts! Wer kleine Kinder hat - und seien sie noch so folgsam -, sollte das Gerät so bauen, wie vom praktiker verlag empfohlen. Das ist sicherer. Die Röhren bei meiner Bauweise können leicht zerbrechen (z.B. Volltreffer beim Ballspiel), oder ein Kind zieht eine Röhre heraus. Die Metallteile sind dann recht leicht erreichbar und führen volle Betriebsspannung.

Als Jugendlicher habe ich mehr als einmal die Bekanntschaft mit den Spannungen gemacht.

Lautsprecherbau

Früher habe ich 38cm Lautsprecher von JBL im Carlson Coupler verwendet. Die Lautsprecher waren sehr druckvoll und sind heute noch im Diskobetrieb ungeschlagen. Der Nachteil der großen Membranen ist halt das Eigengewicht und das damit verbundene schlechte Einschwingverhalten, was sich bei manchen Musikarten negativ auswirkt. Das Non-Plus-Ultra gibt es im Lautsprecherbau nicht!

Früher wurden häufig Exponential Lautsprecher konstruiert, da man in Zeiten der leistungsschwachen Röhrenverstärker Lautsprecherboxen mit hohem Wirkungsgrad benötigte. Diese Bauform hat den Nachteil, dass sie sehr große Gehäuse benötigt. Außerdem muss ein Kompromiss bei der unteren Grenzfrequenz geschlossen werden, da die untere Grenzfrequenz von der Hornlänge abhängig ist. Der Vorteil ist jedoch, dass man auch mit kleinen guten Lautsprecherchassis hohe Lautstärken verzerrungsfrei wiedergeben kann. Ein kleines Lautsprecherchassis hat noch den Vorteil, dass man auf aufwendige 3weg, 4weg, usw. Frequenzweichen verzichten kann. In dem Fall des Jericho Horns gibt es nur einen einzigen Lautsprecher.

Eine Frequenzweiche entfällt völlig. Das Jericho Horn kann mit einem ACR/Fostex-Lautsprecher (nicht mehr lieferbar), Lowther, AER und anderen 20cm Expo-Chassis bestückt werden. Aus Restbeständen besorgte ich mir die recht günstigen ACR/Fostex-Treiber. Gerne hätte ich einmal den AER und Lowther Treiber ausprobiert. Der ACR/Fostex-Treiber hat den Nachteil, dass er in den Mitten zu laut ist. Dieses wird mit einem passiven RCL-Glied bedämpft.

Der Nachteil eines einzigen Lautsprechers liegt darin, dass die Höhenwiedergabe nur in einem engen Winkel erfolgt. Je höher die Frequenz desto kleiner wird der Winkel. Der Winkel ist vom Lautsprecherdurchmesser abhängig. Der Vorteil ist natürlich, dass es keine störenden Übergangsfrequenzen und keine Platzierungsprobleme gibt.

Eine Bauanleitung gibt es in der Zeitschrift "Klang und Ton" Heft 2/96. Auch eine Zeichnung im Maßstab 1:1 ist erhältlich.

Da ich die Jericho Boxen hinterher ins Wohnzimmer stellen möchte, werde ich mir die Gehäuse furniert vom Tischler anfertigen lassen. Eine derartige Investition ist jedoch nicht gerade günstig (2000 Euro/Paar), da der Tischler hier eine Menge Handarbeit leisten muss. Deshalb habe ich erstmal 2 Testgehäuse aus billigen Spanplatten angefertigt (31 Euro pro Gehäuse), um die Lautsprecher beurteilen zu können.

Klanglich bin ich mit den Lautsprechern sehr zufrieden. Leider fehlen mir für eine Beurteilung weitere hochwertigere Lautsprecher an denen man Hör-Vergleiche anstellen kann um die Schwächen und Stärken auszuloten. Auch ist eine Beurteilung natürlich subjektiv.

Meine Kombination Röhrenverstärker 2 x 12 Watt Sinus mit dem Jericho Horn ist wirklich ausgewogen, leistungsstark und zeigt keine Schwächen. Die Maximallautstärke reißt keine Mauern ein, kann aber nicht dauerhaft genutzt werden, um Ärger mit den Nachbarn zu vermeiden. Ein Nachteil vom Klangbild ist jedoch vorhanden: Das kaufbare CD Material ist häufig nur lieblos aufgenommen worden. Es gibt nur wenige, richtig gute Aufnahmen. Die Jericho Box zeigt die schlechten Aufnahmen gnadenlos.

Man kann deutlich hören ob ein Sänger nachträglich hineingemischt wurde oder tatsächlich mit dabei war.

Noch ein Wort zum Schluss: Sicher kann man darüber streiten, ob ein Selbstbau sinnvoll ist oder nicht. Vom Preis/Leistungsverhältnis würde ich sagen, dass es sehr gute fertige Lautsprecher zu kaufen gibt. Ein Selbstbau lohnt sich nur, wenn man etwas Außergewöhnliches benötigt oder einfach daran Spaß hat (wie ich), mal etwas selbst zu bauen.

Eine Einschränkung an meinem Verstärker wollte ich Ihnen noch mitteilen: Man kann ganz leise (an wirkungsschwachen Lautsprechern nicht zu hören) ein Brummen wahrnehmen. Dieses Brummen konnte ich nicht wegkriegen. Es geht auch dann nicht weg, wenn man die Röhren herauszieht. Das kann eigentlich nur bedeuten, dass der Netztrafo in den Ausgangstrafo einstreut, was wegen des geringen Abstand wahrscheinlich ist. In 4m Abstand ist es schon nicht mehr zu hören, es stört daher nicht.

Vielleicht bastle ich mir auch noch einmal das größere Gehäuse ihres Bauvorschlages, der dem Jericho Horn sehr ähnlich ist und bestücke ihn mit dem ACR/Fostex. Der Winter ist lang.

Grüße aus Dedenhausen auch an Herrn Paltauf, wünscht

Detlef Schüddemage


[BILD] ITM BicepTube Detlef Schüddemage / 1

Bild 1: Detlef Schüddemages ITM BicepTube von vorne: "Die Röhren spiegeln sich im Messing. Der Verstärker hat einen massiven, vergoldeten Messinglautstärkeknopf. Im Halbdunkel leuchtet alles. Die Musikqualität ist wirklich überragend."


[BILD] ITM BicepTube Detlef Schüddemage / 2

Bild 2: Detlef Schüddemages ITM BicepTube von hinten


[BILD] ITM BicepTube Detlef Schüddemage / 3

Bild 3: Detlef Schüddemages Bauteile: Eine Messingplatte 39cm Durchmesser, 4mm stark, Platine, Trafo, Trafohauben, Eichenleisten


[BILD] ITM BicepTube Detlef Schüddemage / 4

Bild 4: Die Bauteile auf der Platine hat Detlef Schüddemage etwas anders eingelötet als in der Bauanleitung. Die ECC83 Fassungen sind aufgeständert, damit sie bündig mit den Kondensatoren sind. Bei dem fertigen Verstärker wäre sonst nur der Kopf der Röhre zu sehen. Man sieht links unten noch drei Kondensatoren vom Netzteil, die Schüddemage auf die andere Seite gelötet hatte, um oben möglichst dicht mit den Röhrensockeln an die Messingplatte heranzukommen.


[BILD] ITM BicepTube Detlef Schüddemage / 5

Bild 5: Versuchsanordnung für Detlef Schüddemages ITM BicepTube: Inbetriebnahme mit fliegenden Drähten und FI Schutzschalter (hier nicht im Bild)


[BILD] ITM BicepTube Detlef Schüddemage / 6

Bild 6: Dieses Bild zeigt, wie es innerhalb des Gehäuses von Detlef Schüddemages ITM BicepTube ausschaut


[BILD] ITM BicepTube Detlef Schüddemage / 7

Bild 7: Der von Detlef Schüddemage selbst gebaute Horn-Lautsprecher "Jericho" im Querschnitt beim Aufbau des Testmusters mit Spanplatten


[BILD] ITM BicepTube Detlef Schüddemage / 8

Bild 8: Der von Detlef Schüddemage selbst gebaute Horn-Lautsprecher "Jericho"


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