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[BILD] ITM BicepTube Jürgen Moors

Jürgen Moors (34)

Wien (A)

Gerät: ITM BicepTube

Als vorbildliche Lösung veröffentlicht in "praktiker" Nr. 3 / 2002.


Liebes Praktiker Team!

Ich möchte mich bei Ihnen recht herzlich für das Projekt des ITM BicepTube Röhrenverstärkers bedanken! Das Ergebnis ist in jeder Hinsicht als sensationell zu bezeichnen. Ich habe kaum noch so etwas Gutes gehört. Da ich am Elektroniksektor ein absoluter Laie bin, möchte ich hier meine Erfahrungen beim Zusammenbau des Verstärkers etwas ausführlicher schildern, um so eventuell jemanden zu überzeugen der zwar mit dem Gedanken spielt den Verstärker zu bauen, aber doch noch überlegt ob er das auch wirklich kann.

Durch meine berufliche Tätigkeit als Produktionsleiter für Filmproduktionen würde ich mich als einen sehr technikinteressierten Menschen bezeichnen, der aber keinerlei Erfahrung mit Elektronik hat, oder gar mit dem Zusammenbau von Schaltungen. Ich besitze zwar einen Lötkolben, aber den verwende ich höchsten einmal im Jahr für fünf Minuten.

umso mehr erweckte vor ein paar Jahren ein kleiner Artikel im "Kurier" meine Aufmerksamkeit, da ich von einem Röhrenverstärker las, den man selber bauen kann. So kam ich zum "praktiker". Es dauert relativ lange - eigentlich mehr als zwei Jahre -, um mich dazu durchzuringen das Projekt in Angriff zu nehmen. Zu groß waren bis dahin die Berührungsängste mit Lötkolben und Schaltplänen, mit Trafos und irgendwelchen Widerständen, die für mich eigentlich nur kleine bunte Dinger sind!

Der Besuch mehrerer Hörstudios im Highend Bereich hat aber meinen Tatendrang weiter angefacht. Da der Begriff Highend nicht nur auf den Klang, sondern auch auf die Preisgestaltung solcher Geräte anzuwenden ist, habe ich mich nochmals ausführlich dem Studium der "praktiker"-Website gewidmet. Warum diese aberwitzigen Preise bezahlen, wenn ich doch so ein Gerät selber bauen könnte? Das noch dazu den Vergleich nicht lediglich mit der untersten Einsteigerklasse aufnimmt, sondern mit der Spitzenklasse. Diese lustigen Geräte wobei man überlegt, soll ich mir den Verstärker anstatt eines neuen Autos kaufen oder doch noch einen weiteren Kredit aufnehmen?

Also hatte ich die "praktiker"-Website aufgerufen und nach ausführlichem Studium beschlossen den ITM BicepTube als Vollverstärker selber zu bauen. Der ausschlaggebende Grund war, dass ich ohne jegliche Vorkenntnisse einen Röhrenverstärker selber bauen wollte, dass man eine fertig bestückte Platine bestellen kann, um anschließend das Gerät "nur mehr noch" zu verkabeln.

Als ersten Schritt habe ich die sechs Ausgaben des "praktiker" nachbestellt, um die Bauanleitung zu studieren. Ehrlich gesagt war das für mich ein ziemlicher Dämpfer, da ich eine Bauanleitung im klassischen Sinn erwartete hatte und kein Elektronikmagazin. Das soll keine Kritik an der Institution des "praktiker" sein, sondern nur ein dezenter Hinweis, dass ich als totaler Laie eine Bauanleitung erwartet habe die mir einfach Schritt für Schritt erklärt wie ich das Ding zusammenbauen soll, ohne das ich verstehen können müsste was ich da eigentlich mache. (Pin8 mit TP28, Pin 14 mit TP11 usw.)

Zu diesem Zeitpunkt war allerdings mein Tatendrang bereits zu groß und zu weit vorgeschritten, als dass ich mich noch davon abhalten hätte lassen. Obwohl ich damals nicht wirklich wusste wie das alles zusammenpassen könnte, bestellte ich beim "praktiker"-LeserClub die fertig bestückte Platine Variante B - Pentodenbetrieb, da meine Sonus Faber Boxen nur einen Kennschalldruckpegel von 84dB und damit einen kleineren Wirkungsgrad haben. Dazupassend das Trafoset HighEnd, da ich mir dachte, wenn schon, denn schon die besten Trafos für meine zukünftige Musikmaschine.

Jetzt wartete ich also geduldig auf die bestellte Schaltung und hatte somit ausreichend Gelegenheit die restlichen Bauteile zu besorgen. Was für geübte Elektonik-Enthusiasten nur ein kurzer Besuch eines Fachgeschäfts ist, stellte sich bei mir als äußerst kompliziert heraus, da ich wiederum nicht wusste wo man solche Bauteile - wie etwa einen gekapselten Eingangswahlschalter oder einen motorbetriebenen Stereopotentiometer - bekommt. Wenn man sich vorher noch nie mit dieser Materie beschäftigt hat, dann ist das aufgrund der unglaublichen Vielzahl an verschiedenen Arten von Bauteilen mehr Arbeit als erwartet. (Wie viele verschiedene Netzschalter gibt es eigentlich?)

Letztendlich hat mir das Internet bei meiner Suche wesentlich weitergeholfen und nachdem ich einige Tipps bekommen hatte, konnte ich alle notwendigen Bauteile bestellen. Das soll keine Werbung sein, aber als besonders hilfreich hat sich für mich die Webseite der Firma RS-Components erwiesen: www.rs-components.at.

Eine weitere Hürde war mein Wunsch den Potentiometer motorbetrieben mit einer Fernbedienung zu betreiben. Nach langem Suchen fand ich schließlich einen Bausatz für eine Zwei-Kanal-Funkfernbedienung bei der Firma Velleman in Belgien: www.velleman.be. Mag sein dass Puristen hier sofort laut aufheulen mögen, aber das ist mir reichlich egal. Wie wir in ausführlichen Testserien herausgefunden hatten, stört der Empfänger die eigentliche Schaltung nicht. Wir konnten keinen klanglichen Unterschied mit oder ohne die Fernbedienung feststellen.

Nachdem ich also alle Teile beisammen hatte pilgerte ich damit zu meinem Vater, der mich beim Bau des Verstärkers tatkräftig unterstützt hatte. Angefangen hatten wir mit der Funkfernbedienung. Diese war Dank der ausführlichen Bauanleitung leicht und verständlich zu bauen, allerdings sehr zeitaufwendig. Wer nicht wirklich sehr verspielt ist, sollte sich eventuell überlegen ob er nicht doch besser von der Wohnzimmercouch aufstehen möchte wenn es die Lautstärke geht. Anschließend hatten wir mit der fertig gelöteten Platine, den Trafos, den restlichen Bauteilen und den Schaltplänen des "praktiker" überlegt, wie man denn das alles verkabeln sollte.

Es mag sein, dass elektronikversierte Leser mich für ein wenig begriffsstutzig halten, aber wenn man so etwas noch nie gemacht hat, dann überlegt man bei jeder Kabelverbindung drei oder vier Mal ob das wirklich so stimmen kann.

An dieser Stelle möchte ich Herrn Wessely für seine freundliche Hilfe und der ausführlichen Unterstützung bei dem gesamten Projekt recht herzlich danken. Viele meiner laienhaften Fragen mögen für Profis keinen Sinn machen, aber ich wollte unbedingt sicher gehen nichts falsch zu machen. Ich kann nur allen anderen Anfängern und Elektroniklaien an dieser Stelle sagen, wenn man es einmal kapiert hat, ist es wirklich nicht so schwer.

Hat man durchschaut wie die Spannung und die Eingangsseite zu belegen sind und hat man dann kapiert wie die Ausgangsübertrager zu verkabeln sind, kann man eigentlich nichts mehr falsch machen.

So verzogen sich mein Vater und ich für drei Tage in unseren Keller um den Verstärker und das dazupassende Gehäuse zu bauen. Nach langem hin und her hatten wir uns bei dem Gehäuse streng an den Vorschlag des "praktiker" gehalten. Ausschlaggebend war der Sicherheitsaspekt einer geschlossenen Bauweise mit dem Vorteil des Kamineffekts für die Belüftung des Geräts.

Röhrenverstärker werden im Betrieb wirklich ordentlich warm und ein offenes Gehäuse mag vielleicht recht nett aussehen, letztendlich bin ich aber sehr froh darüber, dass sich die glühenden Röhren gut geschützt im Gehäuse befinden. Allerdings hatten wir für alle vier Seitenwände Lexan-Glas verwendet. Lexan-Glas ist ein besonders zähes Plexiglas, das sich hervorragend bearbeiten lässt und auch sehr gut aussieht.

Bei der allerersten Inbetriebnahme war dann die Enttäuschung ziemlich groß, da wir nur enormes Brummen hörten und an Musik abspielen nicht zu denken war. Der Fehler lag beim Potentiometergehäuse, das wir nicht an die Schirmung der Eingangsleitung angeschlossen hatten. Nachdem wir dann die notwendige Verbindung hergestellt hatten, war das Brummen fast weg, aber eben nur fast. An dieser Stelle möchte ich mich bei Herrn Wolfgang Paltauf recht herzlich bedanken, der mir bei mehreren Telefonaten geduldig und verständnisvoll alle Fehler erklärt hatte. Nachdem ich die fehlende Gegenschaltung eingelötet hatte, war das Brummen zur Gänze verschwunden.

Alles was der Verstärker jetzt von sich gibt, ist wunderschöne Musik, die mir jeden Tag pure Freude bereitet. Ab jetzt kann ich nur auf viele weitere schöne Stunden mit den Röhren hoffen. Sobald man sich an so ein Gerät gewöhnt hat, fragt man sich, wie man es eigentlich vorher ohne Röhrenverstärker nur aushalten konnte...

Der Verstärker schlägt wirklich alles was ich bisher gehört hatte. Da es bei fertigen Geräten viele Schmähs und aufwendige Technikspielereien gibt von denen ich sowieso nichts verstehe, bin ich rein nur auf mein Gehör angewiesen. Der Klang ist sowohl herrlich rund und dynamisch, als auch detailreich und löst dabei die Musik so fein auf wie ich sie vorher eigentlich noch nie gehört hatte. Die Bässe, die Mitten als auch die Höhen kommen gleichmäßig gut an und es entsteht dabei eine weite tiefe Rauminformation. Es ist als ob die Musiker leibhaft vor einem stehen und man könnte rund um sie herum hören. Speziell bei rein akustischer Musik ist das Ergebnis einfach unglaublich und der Unterschied zu herkömmlichen Transistorverstärkern ist wirklich markant.

Abschließend möchte ich allen sagen, die sich jetzt denken, sie möchten auch den Röhrenverstärker bauen, dass der Zusammenbau mit einer fertig bestückten Platine und dem dazupassenden Trafoset wirklich für jedermann zu schaffen ist. Auch wer kein versierter Elektroniker ist, kommt Dank dieses "praktiker"-Projekts in den Genuss der gehobenen High-Fidelity-Klasse um einen absolut fairen Preis.

Jürgen Moors


[BILD] ITM BicepTube Jürgen Moors / 1

Jürgen Moors´ ITM BicepTube ist mit seinem rundum durchsichtigen Gehäuse aus Lexan-Glas ein Schaustück par excellence bei dem sich der Erbauer auch optisch keinen Fehler erlauben durfte. - Auf der Vorderseite ist der 6-stufige Eingangswahlschalter (unten) und der motorbetriebene Stereopotentiometer (oben) zu sehen. Leider fehlen noch die handgedrehten Drehknöpfe auf den Achsen. Auf der Rückseite befindet sich die zusätzliche Platine für den Empfänger der Funkfernbedienung.


[BILD] ITM BicepTube Jürgen Moors / 2

Jürgen Moors´ ITM BicepTube von hinten. - Hinten befinden sich die sechs Eingangsbuchsen, in der Mitte die Ausgangsbuchsen für die Lautsprecher und rechts die Kaltgeräte-Buchse mit Schalter. Die kleine Platine an der Rückwand ist der zusätzliche Empfänger der Funkfernbedienung für die Lautstärkeregelung.


[BILD] ITM BicepTube Jürgen Moors / 3

Jürgen Moors´ ITM BicepTube bei oben geöffnetem Gehäuse von oben. - Von oben kann man sehr gut die räumliche Trennung der einzelnen Bauteile, sowie das Lochblech der Bodenplatte erkennen.


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