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Hausmitteilung


»Wenn die Corona-Krise vorbei ist,
bleibe ich einmal ein paar Tage daheim.«
Michael Niavarani


[BILD] Portrait Felix Wessely Felix Wessely







Lieber Leser,

in allen Medien gibt es derzeit ein Dauerbombardement mit der aktuellen "Corona-Krise". Eine der Ideen war in den vergangenen Monaten eine Smartphone-App, die registriert mit wem man in Kontakt war und alle jene informiert, die mit jemandem in Kontakt waren, der letztlich erkrankt ist. Dass man erst "Vertrauen schaffen" muss, ist kein Wunder, weil das ist ja nicht mehr ganz normal, was man da einführen will. Sonderlich praxistauglich ist das zudem - in der aktuell möglichen Form über Handys - nicht.

Ganz abgesehen von dem Überwachungsaspekt ist die Technik dafür nur sehr eingeschränkt brauchbar. Über Bluetooth ist es schwierig, Distanzen genau genug messen zu können und es ist ja nicht feststellbar, ob man mit jemandem, der in der Nähe detektiert wird, Rücken an Rücken steht / sitzt oder diesem ins Gesicht schaut. Bei einer Fahrt in die Arbeit in Wien mit mehrmaligem Umsteigen bekommt man in der Stoßzeit wohl mehrere hundert "Kontakte" zusammen. Bei korrekter Anwendung so wie vorgesehen, könnte man dann also alle paar Tage zu einer Untersuchung beordert werden.

Ich möchte hier nur kurzgefasst auf die technischen Aspekte und potentiellen Möglichkeiten damit hinweisen. Seit Snowden sollte man eigentlich schön langsam realisiert haben, dass es erstens keine ultimative Anonymisierung gibt und dass selbstverständlich alles irgendwann gemacht wird, was technisch möglich ist.

Es geht auch nicht nur darum, ob man den Leuten vertraut, die heute die Regierungsverantwortung haben. Es können ja auch Böse kommen und die fänden dann bereits eine großartige Datensammlung vor. Noch großartiger, als sie bekanntlich eh schon ist.

Das Smartphone, das die meisten Leute heute ständig bei sich haben, eignet sich freilich ganz hervorragend dafür. Und das kann auch schon ohne eine App ganz schön viel von Haus aus.

So kann beispielsweise jedes GSM-Handy - immer schon und auch das Einfachste - über das Mobilfunk-Netz zum Abhören aktiviert werden. Dafür muss es nicht eingeschaltet sein, es muss lediglich ein - nicht entladener - Akku eingelegt sein. Dieses Problem ist bei den Smartphones gelöst, weil man bei den allermeisten Modellen den Akku nicht einfach herausnehmen kann.

Ein eingeschaltetes Smartphone - und das ist es auch, wenn es gerade im Standby ist -, ist auch dann mit dem Mobilfunknetz verbunden, wenn kein SIM eingelegt ist. Es funktioniert dann bekanntlich auch die Ortung. Wenn man ein Smartphone innerhalb des Hauses einschaltet - auch ohne SIM - und es wird der Standort angezeigt, dann funktioniert das über das Mobilfunknetz. GPS funktioniert ja nur über Satelliten im Freien.

Ein GSM-Handy resp. Smartphone ist daher sehr genau ortbar und zwar auf weniger als 10 Meter genau. Genau das war nämlich seinerzeit die Voraussetzung der USA dafür, auf GSM - damals die Spielart UMTS - umzusteigen.

Man kann im Smartphone zwar die Ortungsdienste abschalten, aber man kann freilich nicht verhindern, dass das sonstwie aufgezeichnet und - an wen auch immer - übermittelt wird. Sowieso kann man das auch vom Mobilfunknetz aus machen.

Gerade in Verbindung mit Standortermittlung ist eine Anonymisierung ultimativ garnicht möglich. Jedes GSM-Handy - und damit auch Smartphone - hat eine eindeutige Kennung, die IMSI International Mobile Subscriber Identity. Diese ist im Mobiltelefonteil. Die technische Notwendigkeit dafür ist übrigens die Möglichkeit, vom Netz aus ganze Produktionsserien von defekten Handys vom Netz abzuschalten. Diese könnten nämlich den Betrieb stören. Meines Wissens ist das bislang nicht vorgekommen, aber es ist nie auszuschließen. Damit hat man also schon einmal eine eindeutige Kennung.

Auch wenn man keine Telefonnummer von einem SIM hat - also kein SIM eingelegt ist - kann man ganz simpel recht flott feststellen, wer das Handy verwendet. Das ist ganz simpel über die Orte möglich, wo man sich bevorzugt aufhält - vor allem über Nacht. Und auch untertags. Untertags bei der Arbeit und in der Nacht daheim. Und dann noch, welche Handys sich gemeinsam bewegen - also primär die im gemeinsamen Haushalt lebenden Personen. Allein über diese drei Anhaltspunkte kann man auch in einem Hochhaus die Personen zuordnen. Es waren also auch die früher anonymen SIMs nicht ultimativ anonym.

Es kann also - mit relativ kleinem Aufwand - festgestellt werden, welcher Person ein Handy zuzuordnen ist. Für jene, die Zugriff auf die Daten des Mobilnetzbetreibers haben, ist es am Einfachsten, aber es geht bekanntlich auch über eine Internet-Verbindung. Viele Apps liefern bekanntlich fröhlich Daten. Wie man erst vor einigen Wochen wieder gehört hat, stellt Google auch Behörden ihre Sammlung von Standortdaten der User zur Verfügung.

Also nur ganz grob hier einige der Möglichkeiten, die sich damit bieten. Nocheinmal: Es geht überhaupt nicht darum, was die aktuelle Regierung oder sonstwer, der gerade die Macht dazu hat, tun will oder tut. Es geht darum, was damit möglich ist. Vor einigen Jahrzehnten wurden die Sozialversicherungsnummern eingeführt. Damals wurde hoch und heilig versprochen, dass das selbstverständlich keine Personen-ID ist sondern ausschließlich für die Sozialversicherung verwendet wird. Was aus diesen Schwüren bis heute geworden ist, weiß jeder, der fast überall seine Sozialversicherungsnummer - zur eindeutigen Identifikation seiner Person - angeben muss. Die Passbilder werden besipielsweise bereits heute auch in Österreich dazu genutzt, Personen im öffentlichen Raum zu identifizieren. Vor ca. 100 Jahren hatten sich die Leute noch dagegen gewehrt, dass der Staat Fotos in Ausweispapieren wollte. Freilich alles Verschwörungstheoretiker.

Die Technik hat ganz Großartiges hervorgebracht und wir alle nutzen sie mit viel Freude. Aber eben nur zu unserem eigenen Vorteil - aber jedenfalls nicht zu einem potentiellen Nachteil.

Der Vorteil dabei, die technischen Hintergründe zu verstehen liegt darin, sich genau dieser Möglichkeiten bewusst zu sein und es daher beispielsweise nicht - wie der technisch Unbedarfte - so lustig zu finden, seine Wohnung übers Internet fernsteuern und überwachen zu können.

Das Wissen um die Möglichkeiten der Technik war früher primär nützlich dafür, etwas realisieren zu können, was der breiten Masse unzugänglich ist. Heute ist es auch nützlich dafür zu wissen, welche Möglichkeiten man dadurch gleichzeitig für Andere für Einblicke - oder gar Eingriffe - in das eigene Leben eröffnet.

Der Traum der totalen Kontrolle über die eigenen Vier Wände aus der Ferne ist also zwar längst realisierbar geworden, aber ihn zu realisieren ist nicht das, was man sich erträumt hatte. Es gehen nicht alle Träume in Erfüllung, also ist es nicht so schlimm. Aber es ist gut zu wissen, was eher nicht so traumhaft ist. Auch das ist - implizit - Teil des selben Wunschtraums gewesen.

Bleiben Sie bitte gesund und passen Sie gut auf die hinsichtlich Alter und Gesundheitszustand besonders gefähreten Menschen in Ihrer Umgebung auf. Erst recht, wenn Sie selbst tendenziell gefährdet sind. Wenn alle gut aufpassen, wird Vielen eine möglichweise sehr schwere Krankheit erspart und die Sache ist dann auch möglichst schnell wieder vorbei. Und damit hoffentlich auch diese Überwachungsphantasien, die da gerade eher kein Vertrauen erwecken.

Hier noch ein paar Hinweise zu praktiker.at:

Info- & Bestellsystem "praktiker"-Leserservice. Im "Info- & Bestellsystem "praktiker"-Leserservice" ist an einem Punkt alles zusammengefasst, was es immer schon über den praktiker-Leserservice gegeben hatte. Und das kann dort über ein - hoffentlich - übersichtliches System bestellt werden. Das sind also einige der am häufigsten angeforderten Kopien aus zurückliegenen Heften für Sofort-Download als PDF-E-Paper - Bauanleitungen und Grundlagenberichte - zurückreichend bis in die 1950er-Jahre (!), Hefte-Sammelmappen für Abonnenten, Platinen und Bauteilesets zu Bauanleitungen etc. Besonderheit gegenüber einem Shopsystem ist, dass einerseits nur die nötigsten Daten abgefragt werden und dass die Überweisung des Rechnungsbetrags selbsttätig erfolgt. Außerdem befindet sich alles dafür innerhalb einer Seite, wodurch das schneller funktioniert. Die Daten werden generell nicht für weitere Verwendungen gespeichert. Ihre Aktivitäten innerhalb des Info- & Bestellsystems werden nicht verfolgt. Sonderkonditionen für "praktiker"-Abonnenten werden dabei angewandt.
(Siehe: Info- & Bestellsystem "praktiker"-Leserservice)

ITM Newsroom - Aktuelle Kurzmeldungen. Im "ITM Newsroom" gibt es eine Überblick-Seite die beim Aufruf des Newsroom-Bereichs kurz gefasst die letzten 30 Meldungen zeigt. Unterhalb jeder Einzelmeldung finden Sie einen "Permalink", der direkt zur jeweiligen Meldung führt für zur Weitergabe in Social Networks, Foren etc. sowie einen E-Mail-Link für Weiterempfehlung für Versand als normales E-Mail über Ihren eigenen E-Mail-Client. Bei Anklicken des Links unterhalb der Meldung wird also automatisch ein neues E-Mail angelegt und der Link zur Meldung in den E-Mail-Textbereich vorausgefüllt. - Meldungen hier erscheinen zwar selten und auch nicht regelmäßig, aber sie werden in der Regel eigenständig erarbeitet und bieten Ihnen hoffentlich mitunter neue Blickwinkel und interessante Gedanken.
(Siehe: Bereich ITM Newsroom)

Geschenk-Abonnement-Urkunden. Wenn Sie viele Leute kennen, dann gibt es freilich ständig einen Anlass dafür, jedem davon eine Freude zu machen. Und damit zu zeigen, dass Sie an ihn resp. sie gedacht hatten. Denken Sie bitte dann an ein "praktiker"-Abonnement als Geschenkidee mit persönlicher Note. Ein Unikum dabei ist die Möglichkeit, eine Urkunde gleich selbst auszudrucken. Es stehen dafür etliche Schrift-Designs zur Auswahl. Mit dieser Geschenk-Abonnement-Urkunde haben Sie innerhalb ein paar Minuten etwas, das Sie dem Beschenkten gleich übergeben können. Das kann also auch eine Lösung für den letzten Augenblick sein, wenn Sie noch schnell ein Geschenk finden wollen.
(Siehe: Seite ITM praktiker Geschenk-Abonnement-Urkunde)

Größere Selbstbau-Projekte wie beispielsweise "ITM BicepTube" und "ITM µ-Butler" werden zusätzlich hier auf unserer Website begleitet. Hier finden Sie die wichtigsten Änderungen, Lösungen für Ersatzwerte bei schwierig erhältlichen Bauteilen. Und den jeweils tagaktuellen Stand wichtiger Antworten aus dem "praktiker"-Entwicklungslabor. Bitte nutzen Sie diesen Service bevor Sie ein Projekt in Angriff nehmen. Vielleicht hatte gerade während der letzten Tage ein anderer Leser dasselbe Problem. Und Sie finden dann hier gleich die Antwort darauf. Diese Inhalte sind freilich auch im Heft - und dort in der Regel ausführlicher - enthalten. Die Bauanleitungen und das Know-how für den Bau und Verstehen der Funktionsweise finden Sie bitte nur in den Heften.
(Siehe: Bereich ITM praktiker Elektronik-Selbstbau-Projekte)

Danke für Ihr Interesse und viel Freude in und mit unserer Website,

Ihr

Felix Wessely

Wien, 10.09.2020

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