[COVER] praktiker 1971
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"praktiker" vor 50 / 40 / 30 / 20 Jahren

Start dieser Rubrik in Heft Nr. 3 / 1998 (bis 12 / 2007)



Diese Titelseite des "praktiker" aus dem Jahr 1971 zeigt den im "praktiker"-Labor entwickelten "UKW-Zwerg". Damals hinsichtlich der Größe eine Sensation: Die 9-Volt-Batterie ist deutlich größer als die Elektronik. Und hinsichtlich der Technologie: Weltweit erstmals wurde im UKW-Zwerg das Prinzip der induktiv angekoppelten Antenne (Ohrhörerkabel dient als Antenne) eingesetzt. Eine Idee aus dem "praktiker"-Labor, welche die Industrie übernommen hat und die bis heute weltweit für kleine UKW-Empfänger genutzt wird. - Ein kleiner Beitrag bereits vor rund drei Jahrzehnten für den Bereich Mobile Elektronik. "praktiker" und seine Leser kommentieren nicht nur, beobachten nicht nur, sondern gestalten selbst mit. Seit 14. Dezember 1945.


Historische "Schmankerln":
"praktiker" vor 50, 40, 30, 20 Jahren

Beginnend mit Ausgabe-Nr. 3/1998 veröffentlicht "praktiker" im Rahmen einer Rubrik Kurzmeldungen, Meinungen und andere kurze Berichte, die den jeweiligen Stand der Elektronik und der einschlägig interessanten Probleme der jeweiligen Zeit wiederspiegeln. Diese Berichte sind allesamt im "praktiker" bzw. unter dessen früheren Namen "Hier spricht der Funktechniker" und "Der Radiopraktiker" vor jeweils 50, 40, 30 und 20 Jahren erschienen.

So manches wirkt heute erheiternd, bei anderem wiederum wundert man sich, wie lange schon an bestimmten Technologien herumgedoktert wird, bis sie endlich auf den Markt kommen. Interessant ist, wie sich die Technik entwickelt und die Sichtweise hinsichtlich der Nutzung der Elektronik im Laufe der Jahrzehnte gewandelt hat. "praktiker" war jedenfalls gemeinsam mit seinen Lesern immer hautnah dabei.

Hier auf unserer Website nur eine kleine Auswahl besonderer Schmankerln aus den ersten Jahrzehnten des "praktiker" ("Schmankerl" = "Leckerbissen").


Jahr 1948

Radar zu Kochzwecken

(22.10.1948) Der neue Radar-Herd verwendet Mikrowellen (Zentimeterwellen oder auch Ultrakurzwellen), die den Wärmestrahlen zwar ähnlich sind, jedoch eine längere Wellenlänge haben. Diese Mikrowellen werden in der sogenanten Magnetronröhre erzeugt. Zum Unterschied der oben angeführten Methode des Kochens geht hiebei nur sehr wenig Energie verloren, da der zugeführte elektrische Strom zur Gänze in Wellen von geeigneter Frequenz verwandelt wird. Da das Kochen mit Ultrakurzwellen die Radiosendungen ungünstig beeinflusst, wurde für die Zwecke ein Wellenband von 2400 bis 2500 MHz für elektrische Geräte bestimmt.

Die Handhabung des Herdes ist außerordentlich einfach. Die gewünschte Kochzeit wird mittels einer im Kochschrank eingebauten Uhr automatisch geregelt. Das Bemerkenswerte an dieser Neuerung sind die kurzen Kochzeiten. Ein Menü für vier Personen ist in maximal drei Minuten gar.


Neuer Hochfrequenz-Rechengigant

(05.11.1948) Die neueste Rechenmaschine der IBM übertrifft den von der gleichen Gesellschaft 1944 herausgebrachten Apparat leistungsmäßig um das ungefähr 250fache. Sie enthält 12.500 Elektronenröhren, 21.400 Relais und 40.000 Steckkontakte; ihr Energiebedarf beträgt 180kW und das Kühlsystem zur Ableitung der sich entwickelnden Wärme liefert so viel Heißluft, wie sie beim Abschmelzen eines 52t schweren Eisenblocks innerhalb 24 Stunden entstünde. Diesen eindrucksvollen Zahlen sei noch hinzugefügt, dass die Maschine in einer Stunde 3500 Additionen 19-stelliger Zahlen oder 50 Multiplikationen oder Divisionen 14-stelliger Zahlen durchführt.

Auf diese Weise kann die Maschine Fragen, deren Lösung viele Generationen erfordern würde, in wenigen Monaten restlos klären. Eine Gleichung oder eine Formel, an der die größten Gelehrten ein ganzes Leben lang gearbeitet hätten, entwirrt sie binnen Stunden. Die Wissenschaft darf sich nun endlich auch an Probleme wagen, denen sie bisher ausweichen musste, da jede Lösung durch Menschengehirne hoffnungslos erschien.


Transportable Funkgeräte mit kombiniertem Sender und Empfänger

(05.11.1948) Transportable Funkgeräte mit kombiniertem Sender und Empfänger erweisen sich für viele verschiedenartige Verwendungszwecke im Verkehrswesen und in der Industrie als ohne weiteres verwendbar. In England werden derartige Apparate jetzt schon verwendet.

Großes Interesse für die Geräte besteht in den skandinavischen Ländern, besonders in Dänemark, wo der Boden für normale Telefonanlagen recht ungeeignet ist. In der Schweiz interessieren sich die Inhaber eines Züricher Taxiunternehmens für die durch die neuen Geräte gegebenen Möglichkeiten. Anderweitig konnten mit Hilfe der neuen Geräte im Taxiverkehr bereits 30%ige Einsparungen an Brennstoff, Reifen und Zeit erzielt werden.


Phonovision: Telefonleitung übermittelt Filmvorführung

(31.12.1948) Eine Erfindung, die der Filmproduzent S. Sylvan Simon mit einigen seiner Mitarbeiter in aller Stille ausgearbeitet hat und über die er vor kurzem einige interessante Angaben machte, wird es vielen Amerikanern ermöglichen, durch einfachen Anschluss eines entsprechenden Geräts an die Telefonleitung einer Tonfilmvorführung beizuwohnen, ohne auch nur einen Schritt aus dem Hause machen zu müssen.

Das neue Empfangsgerät ist zur Gänze aus Aluminium und hat einen Lautsprecher sowie einen Bildschirm im Ausmaß von 10 xx 12,5cm. Eine Vergrößerung der Vorführfläche darüber hinaus ist, wie Simon erklärte, wegen Verzerrung der Bilder nicht möglich.

Mit der Einstellung einer bestimmten Telefonnummer beginnt die Vorführung eines Spielfilms von normaler Länge und zweier Kurzfilme.

Wissenschafter und Techniker befassen sich in zwei getrennten Gebäuden mit der Herstellung der Geräte. Um das Fabrikationsgeheimnis zu wahren, werden in dem einen Gebäude nur Sender und in dem anderen nur Empfänger erzeugt.

Zu einer ernsten Konkurrenz für Phonovision könnten, wie Simon zugab, die Erzeuger von Musikautomaten mit Münzeinwurf werden, die derzeit an der Konstruktion eines vollkommenen Vorführgerätes für Filme arbeiten.


Farb-Fernsehen

(31.12.1948) Ein neues amerikanisches Verfahren wurde zur Übertragung bunter Fernsehaufnahmen ausgearbeitet. Vorerst befindet es sich allerdings noch im Experimentierstadium. Man versucht, die drei Farben grün, blau und rot zugleich zu senden. Der zu übertragende Gegenstand wird in der bekannten Weise mit einem Lichtstrahl abgetastet. Das von dem betreffenden Gegenstand zurückgeworfene Licht fällt auf drei nebeneinander angeordnete Photozellen mit Sekundärelektronenverstärker (Multiplier), die hinter einem Grün-, Blau- bzw. Rotfilter angebracht sind.

Die von diesen drei Photozellen erzeugten Abtastspannungen modulieren je eine Trägerfrequenz. Die Trägerfrequenz für die rote Farbe beträgt 8,25MHz, für blau 6,25MHz, während als Träger für Tonsendungen eine Frequenz von 4,5MHz dient.

Im Empfänger wird eine Katodenstrahlröhre mit drei voneinander unabhängigen Kathoden und Elektronenstrahlsystemen verwendet, die entsprechend den drei Farbauszügen drei getrennte Schirmbilder nebeneinander erzeugen. Die Schirmbilder werden unter Zwischenschaltung der entsprechenden Farbfilter durch ein Spiegelsystem und ein Objektiv einander überlagert, wodurch das farbige Bild entsteht. In bereits vorhandenen Empfängern können die Sendungen als einfarbige Bilder empfangen werden. Nur schade, dass für uns arme Europäer das alles auf lange Sicht noch Zukunftsmusik bleibt!


Jahr 1949

Radar einmal anders

(28.01.1949) Zur Bekämpfung des berüchtigten Londoner Nebels sind englische Fachexperten dabei, Radargeräte für Kraftfahrzeuge und sogar für Fußgänger zu entwickeln. Ähnliche Entwicklungen für elektrische Tastgeräte zur Benutzung anstelle von Blindenhunden werden seit längerer Zeit in den USA bereits durchgeführt.



Farbenrevolution im Film?

(28.01.1949) In Frankreich bereitet sich anscheinend eine Revolution des Farbfilms vor. Es wurde ein neues, um vieles naturgetreueres Verfahren ausgearbeitet als das bisher übrliche, das vor allem Aufnahmen mit einer normalen Schwarzweißkamera gestattet, die lediglich mit einer Speziallinse versehen wird. Die Kosten stellen sich kaum höher als die eine Schwarzweißfilms. Zwei Brüder, beide Optiker, Armand und Lucien Roux, haben 17 Jahre lang an der Ausarbeitung dieses Verfahrens gearbeitet.

Das Geheimnis des Roux-Color-Systems ist eine viergeteilte Linse, deren einzelne Teile mit einem Filter für Rot, Gelb, Grün und Blau versehen sind. Diese Linse "zerlegt" nun das Licht und macht vier verschiedene Aufnahmen auf den Film. Durch eine ähnlich konstruierte Linse projiziert, wird das vierfarbige Bild in ein einfarbiges "rückverwandelt". Die Farbe des projizierten Bildes auf der Leinwand ist nicht wie bei anderen Arten durch den Film bestimmt, sondern duch die "Vier-in-eins-Linse", durch welche der Schwarzweißfilm projiziert wird.

Die Erfinder erklären, dass Roux-Color bloß durch das Anschrauben der Speziallinse an eine Schwarzweißkamera erzielt werden kann. Ebenso einfach ist die Projektion. Die Brüder Roux haben noch die nicht die Absicht, diese Linsen zu verkaufen. Sie wollen sie an Produzenten und Kinos vermieten und hoffen innerhalb von zwei Jahren eine genügend große Anzahl herzustellen, um alle französischen Kinos mit solchen zu versorgen.


Radiozeitung

(01.04.1949) Die Entwicklung der "Radiozeitung" hat jetzt einen Punkt erreicht, an dem man an eine kommerzielle Verwertung denken kann. Die Radiozeitung stellt eine Abart der drahtlosen Übermittlung von Pressephotos dar, wie sie in den USA eine Zeit lang in großem Umfang für Zeitungsillustrationen verwendet wurden. Auch der Polizei-, Luftfahrt- und Telegraphendienst sandte in besonderen Fällen Texte und einfache Landkarten nach diesem System des Faksimilerundfunks (Facsimile Broadcasting oder kurz "Fax"). Die technische Vervollkommnung der Nachkriegszeit und die dadurch gesteigerte Sendegeschwindigkeit ermöglichten es dann den Zeitungsverlegern Amerikas, den Lesern die Zeitungen per Radio ins Haus zu liefern. Seite für Seite werden die Zeitungsartikel nun im eigenen Haus oder Büro durch die Radiowellen und die Empfangsdruckmaschine diktiert.

Fast alle "Fax"-Stationen arbeiten mit FM Frequenzmodulation, der neuen störungsfreien Sendeart von höchster Verlässlichkeit, die nach Kriegsende rasch weiterentwickelt wurde und für Ton- und Fernsehsendungen in den Vereinigten Staaten stets an Bedeutung gewinnt. Die FM arbeitet in dem 2--3-m-Band.


Telefon in der Rocktasche

(10.06.1949) Das Telefon in der Rocktasche arbeitet mit verschiedenen Wellenlängen im 460- bis 470-MHz-Bereich (64 bis 65cm), einer außerordentlich hohen Frequenz. Je nach der Wellenlänge, auf der man zu sprechen wünscht, kann man das Gerät innerhalb dieses Bereichs mit Hilfe eines Schraubendrehers abstimmen. Für Personen, die ihre Telefongespräche ständig auf der selben Frequenz führen, wie beispielsweise Ärzte, die sich mit ihren Kollegen beraten, oder Redakteure, die mit ihren Berichterstattern in Verbindung stehen wollen, werden einzelne Apparate bereits vorher in der Fabrik abgestimmt. Die im Aufdruckverfahren hergestellten Leitungen verringern nicht nur das Gewicht, sondern auch den Preis der Geräte. Die ersten Apparate kosten zwischen 30 und 50 Dollar.

Da die technischen Probleme der Radiotelefonie bereits gelöst sind, sollen die Geräte nun fabrikmäßig hergestellt werden. Sobald die Apparate auf den Markt kommen, wird die United States Federal Communications Commission die Lizenzen zum Betrieb des Senders innerhalb festgesetzter Frequenzen ausgeben.


Jahr 1950

Fernsehbastler in Holland

(11.08.1950) Kürzlich wurde bekanntgegeben, dass der holländische Fernsehsender für seine Versuchssendungen von 567 auf 625 Zeilen übergegangen ist. Ein solcher Wechsel der Zeilenzahl bedingt natürlich auch eine Änderung der etwa 400 in Betrieb stehenden Fernsehempfänger. Diese Anpassung an die neue Zeilenzahl bereitet keine großen Schwierigkeiten und kann in Holland fast durchwegs von den Besitzern der Geräte selbst durchgeführt werden, da es sich herausgestellt hat, dass 90 Prozent aller in Verwendung stehenden Geräte von Amateuren konstruiert und hergestellt wurden.


Jahr 1952

Ein Transistor um 15 Dollar

(09.05.1952) Transistoren werden in den USA von mehreren Firmen hergestellt; der Preis liegt jedoch zurzeit noch immer bei 15 Dollar pro Stück, was gegenüber einer Rundfunkröhre, die zwischen 50 Cent und 1,20 Dollar bei den üblichen Typen liegt, beachtlich hoch ist.


Jahr 1953

In Österreich wurden im Kalenderjahr 1952 erzeugt:

(02.05.1953)


Schwierigkeiten bei Transistoren

(25.07.1953) Der Transistor, jener kleine Germaniumkristall, der von vielen Seiten als der Nachfolger der Röhre angesehen wurde, dürfte laut einer Mitteilung der Firma Zenith Radio Corp., Chicago, noch etliche Kinderkrankheiten aufweisen. Diese Firma hat vor einigen Monaten die Fabrikation von Hörhilfen (Schwerhörigenverstärkern) mit diesem neuen Bauteil anstelle von Röhren aufgenommen. Ihre Produktion wurde ab sofort eingestellt, da sich herausstellte, dass fast alle der eingebauten Transistoren nach ausgedehnten Dauerversuchen Mängel aufwiesen. Diese sind zum größten Teil auf Erschütterungen oder Feuchtigkeitseinflüsse zurückzuführen. In Anbetracht des Verwendungszweckes, also dem Tragen in Körpernähe, lassen sich diese Einwirkungen nicht ausschalten. Die Ausfälle traten zum größten Teil erst nach Wochen und Monaten auf. Man hofft, durch neue Entwicklungen der Transistoren, die anstelle von Germanium ein anderes Material, zum Beispiel Silizium verwenden, dem gewünschten Ziel näher zu kommen.


Jahr 1954

Japanische TV-Produktion 1954

(14.08.1954) 2000 Fernsehgeräte werden zurzeit monatlich in Japan hergestellt. 35 Firmen sind an dieser Produktion beteiligt, sodass jeder Hersteller nur eine Durchschnittskapazität von rund 57 Fernsehgeräten erreicht. In einem Zeitraum von fünf Jahren hofft man, rund eine Million Empfänger absetzen zu können.


Jahr 1956

Erster Fernseh-Star

(28.01.1956) Immer neue und äußerst kostspielige Wege finden amerikanische Fernsehstationen, um sich für ihre Programme die besseren Kräfte zu sichern. So schloss die CBC kürzlich mit Ed Sullivan einen 20-Jahres-Vertrag, der ihm sieben Jahre lang 176.000 Dollar jährlich einbringt, wenn er seine Fernsehshow bei CBC produziert. Für die restlichen 13 Jahre braucht der heute 53-jährige TV-Star nicht mehr zu arbeiten. Er verdient dann aber auch "nur" noch 100.000 Dollar im Jahr. Allerdings erhält er dieses Honorar nur dann, wenn er sich verpflichtet, nicht für die Konkurrenz zu arbeiten.


3,6 Mio. Transistoren

(30.06.1956) Mehr als 3,6 Mio. Transistoren wurden in den USA im Jahre 1955 erzeugt. Dies ist fast das Dreifache der Produktion von 1954. Mit einer weiteren Verdreifachung wird für 1956 gerechnet. Etwa die Hälfte davon wird in kommerziellen Geräten verwendet.

(Anm. In einem Pentium-Processor der ersten Generation sind rund 3,2 Mio Transistoren enthalten.)


Jahr 1957

3-D-TV und "Fernaugen" in der Wohnung

(20.04.1957) Amerikanische Fernsehfachleute sagen voraus, dass bereits im Jahre 1957 ein pseudoplastisches 3-D-Farbfernsehen in den USA möglich sein wird. Große Aussichten gibt man dabei dem Projektionsverfahren, das ein Bild von 1,7 mal 2,13 Meter an die Wand zaubert. Auf der selben Technikertagung wurde auch erwähnt, dass wahrscheinlich in zehn Jahren alle Räume einer Wohnung durch "Fernaugen" verbunden und damit übersehbar sind.


Funktelefon

(30.11.1957) Allan B. DuMont und die örtliche private Telefongesellschaft von Richmond, Indiana vermieten jetzt an Kraftwagenbesitzer UKW-Funksprechgeräte mit Wahlscheiben, sodass der Fahrer genau wie vom ortsfesten Fernsprechapparat aus jeden Fernsprechteilnehmer innerhalb des Ortsnetzes von Richmond direkt anwählen kann. Pro Gerät werden 40 Dollar monatlich gefordert; in diesem Betrag sind täglich 24 Anrufe kostenfrei enthalten.


Jahr 1958

Bi-Tran: Zwei Fernsehprogramme auf einer Frequenz? / Pay-TV

(01.03.1958) Die "Blonder-Tongue Labs., Inc.", New York, USA unterbreiteten jetzt der amerikanischen Bundesnachrichtenbehörde FCC die Pläne für eine neue Fernseh-Übertragungstechnik, mit deren Hilfe jeder Fernsehkanal doppelt ausgenutzt werden kann. Es handelt sich offensichtlich um eine Doppelmodulation des Fernsehsenders, wodurch ein Sender zwei Programme gleichzeitig und ohne gegenseitige Störungen ausstrahlt. Die Modulation ist dabei derart gewählt, dass die Empfänger, die natürlich für das neue Verfahren entsprechend umgebaut werden müssen, je nach Stellung eines Schalters Programm A oder Programm B wiedergeben, wobei das jeweils nicht gewünschte Programm vollkommen unterdrückt wird.

Wie aus den USA verlautet, bringt man diesem neuen Verfahren, das den Namen "Bi-Tran" erhalten hat, im gegenwärtigen Augenblick besonderes Interesse entgegen, weil sich die Bundesnachrichtenbehörde hinsichtlich des bezahlten Fernsehens ("Pay-as-you-see") in einem Zwiespalt befindet. In den USA gilt noch immer der Grundsatz, dass der Äther frei ist und von jedermann im Rahmen der gesetzlichen Regelungen bezüglich Frequenzen usw. benutzt werden darf. Eine Gebührenerhebung für eine durch den freien Äther übermittelte Sendung widerspricht aber der Grundauffassung, sodass sich die Bundesnachrichtenbehörde nur zu Versuchssendungen mit dem bezahlten Fernsehen hat überreden lassen, bei denen Ton oder Bild oder beides verzerrt ausgestrahlt wird und nur durch ein telefonisch übermitteltes oder im Empfänger - nach Geldeinwurf - erzeugtes Decodierungssignal entzerrt werden kann.

Sollte "Bi-Tran" funktionieren, dann könnte die FCC zum "Pay-as-you-see"-Fernsehen leichter ihre Zustimmung geben, denn das Fernsehen ginge in der bisherigen kommerziellen Form unbehelligt in allen Kanälen weiter, zusätzlich aber könnte ein bezahltes Fernsehprogramm im gleichen Kanal ausgestrahlt werden.

Ohne nähere technische Einzelheiten lässt sich leider kein Urteil über die Brauchbarkeit von "Bi-Tran" abgeben. Es sei jedoch darauf hingewiesen, dass durchaus Modulationsverfahren denkbar sind, mit deren Hilfe man die Bild- und Tonsignale eines zweiten Programms in die des ersten einfügt, ohne dass gegenseitige Störungen auftreten. Ein Beispiel dafür ist das amerikanische Farbfernsehsystem nach dem NTSC-Verfahren. Dabei hat man in das Spektrum der Impulse, die das Schwarzweiß-Bild erzeugen, noch eine weitere Frequenz als Träger der Farbinformation eingefügt.


Zweimal: Flach-Bildröhre

(05.04.1958) Wie die "Kaiser Aircraft and Electronics Corporation" mitteilte, sind bereits die sogenannten "flachen" Fernsehbildröhren in die Produktion gegangen. Die Röhren haben nur noch eine Tiefe von 67mm und werden vorwiegend für militärische Zwecke hergestellt. Bevor man sie in zivile Fernsehempfänger einbauen will, sollen diese Röhren weiterentwickelt werden. Eine Verbesserung ist vor allem bei der Glashülle notwendig. Sie ist durch die flachen Breitseiten Druck gegenüber weniger widerstandsfähig.

Sylvania zeigte bei der Möbel- und Einrichtungsausstellung in Chicago ein flaches Fernsehstandgerät. Es hat eine 53-cm-Bildröhre und ist dank einiger besonderer Kniffe nur 25cm tief.


Bildsignale auf Magnetband

(10.05.1958) Das seiner technischen Reife entgegengehende System der Bildsignalaufzeichnung auf Magnetband, wie es von der amerikanischen Firma Ampex entwickelt wurde, wird in einiger Zeit nicht nur für die Programmproduzenten des Fernsehens, sondern auch für jene Gruppen des amerikanischen kommerziellen Fernsehens von von Wichtigkeit sein, die Werbeaufträge vorbereiten und sendereif machen. Dabei werden folgende Vorzüge herausgestellt:

Das Werbeprogramm lässt sich mit einer Ampex-Anlage vom Typ VR-1000 mit geringer Mühe auf Magnetband nehmen und dem Auftraggeber vorspielen, der seinerseits Änderungen vorschlagen bzw. verlangen kann, ohne dass etwa, wie bei einer vorherigen Aufzeichnung des Programms auf einem 16-mm-Film, wertvolles Filmmaterial vergeudet wird - denn das Band lässt sich löschen und beliebig oft neu verwenden.

Die gleichzeitige Aufzeichnung des Tones bereitet bei der Ampex-Maschine keine Schwierigkeiten.

Wenn ein Life-Fernsehprogramm konserviert werden soll, sodass man es im Archiv aufbewahren oder erneut senden kann, musste es bisher von einem Bildschirm eines Monitors gefilmt werden ("Kinescoping"). Die Qualität der Filmaufzeichnung befriedigt bis heute nicht unbedingt, gewisse technische Umstände lassen auch kaum erwarten, dass man eine Filmaufzeichnung von der Qualität eines Spitzenfilms oder gar einer Direktsendung erzielen kann.

Heute schon ist die Qualität einer Ampex-Video-Bandaufzeichnung der Filmaufzeichnung überlegen. In den USA kommt hinzu, dass die Zeitunterschiede (vier Stunden zwischen Ost- und Westküste) weitaus öfter zur Verwendung von aufgezeichneten Programmen zwingt, denn ein Spitzenprogramm, das in New York um 8 Uhr abends als Direktsendung über die Sender geht, würde in Los Angeles, durch Richtfunkstrecken übertragen, bereits um 4 Uhr nachmittags ausgestrahlt werden.


"Magnetofon" gehört Telefunken

(24.05.1958) Das Wort Magnetofon wurde für Telefunken als Warenzeichen Nr. 707.086 in die Warenzeichenrolle eingetragen. Das Wort Magnetofon ist demnach nicht mehr Beschaffenheitsangabe, sondern es hat jetzt Kennzeichnungskraft für aus einem bestimmten Betrieb stammende Magnettongeräte. Nur die von Telefunken hergestellten Tonbandgeräte dürfen unter der Bezeichnung Magnetofon auf den Markt gebracht werden.


Stereofonie startet

(07.06.1958) Zum Thema Stereofonie erfahren wir, dass die großen deutschen Schallplattenfirmen - gleichzeitig, jedoch an getrennten Orten - am 12. Juni 1958 in Pressekonferenzen Angaben zum Thema "Stereofonische Schallplatten" machen werden. Voraussichtlich wird in Berlin die Teldec, in München die Deutsche Grammophon, in Hamburg Philips und in Köln Electrola einladen. Mit der Auslieferung der ersten Stereo-Schallplatten dürfte jedoch vor Mitte Oktober nicht zu rechnen sein.


Japan billiger bei Fernsehgeräten

(09.08.1958) Die japanische Industrie hat vor kurzem eine Lieferung von 2500 Fernsehempfängern nach Schweden übernommen. Deren Preis soll wesentlich unter dem in Westeuropa liegen.


Videorecorder in Entwicklung

(04.10.1958) Die Firma Ampex Corp., die in erster Linie durch ihre Magnetbandgeräte für die Aufnahme von Fernsehsendungen bekannt ist, befasst sich bereits mit der Entwicklung eines Magnetbandgeräts für Bildaufnahmen für den Heimgebrauch. Wann dies allerdings in den Handel kommt, wurde nicht bekanntgegeben.


Stereo-Radiosendungen

(04.10.1958) Durch 9 Monate hindurch lief eine Versuchsreihe der amerikanischen FM-Station in Brookfield, USA, worin drei Programme ausgestrahlt wurden. Dabei wurden zwei Frequenzkanäle für ein Stereoprogramm ausgenützt, während der dritte ein spezielles Musikprogramm für Restaurants und Betriebe lieferte.


Jahr 1968

Zeiss baute viereckiges Objektiv

(24.01.1968) Das erste viereckige Objektiv der Welt wurde jetzt von Carl Zeiss gebaut: Ein Pro-Tessar 1:4 / 115mm für die Contaflex. Diese Neuentwicklung ist bei gleicher optischer Leistung leichter und kleiner als das normale Rundobjektiv. Da die Fertigungskosten wegen der zusätzlichen Arbeit bei der Montage unverhältnismäßig hoch sind, wird das neue Objektiv, das eine besondere technische Leistung darstellt, jedoch nicht in Serie gebaut werden.


Über ICs in naher Zukunft

(07.02.1968) Wie weit integrierte Schaltungskreise bereits in naher Zukunft im Unterhaltungssektor (Rundfunk- und Fernsehempfänger) Verwendung finden, hängt allein nur von der Wirtschaftlichkeit ab. In der industriellen Elektronik haben sie sich voll bewährt. Wenn durch Großserien und noch rationellere Fertigungsmethoden ihr Einsatz billiger kommt als jener von Transistoren mit Widerständen in der herkömmlichen Art, werden sie selbstverständlich auch die Transistoren ablösen. Es ist keineswegs eine Utopie, dass Transistoren schon in wenigen Jahren auch in Geräten der Unterhaltungstechnik gegenüber ICs in der Minderheit sein werden.


Patent für Quecksilber-Batterien läuft aus

(13.03.1968) Die grundlegenden Weltpatente der US-Firma Mallory auf dem Gebiete der Quecksilber-(Mercury)-Batterien laufen mit etwa Jahresmitte ab. Es ist daher ab diesem Zeitpunkt mit Quecksilber-Batterien aller einschlägigen Hersteller von Trockenbatterien auf dem Weltmarkt zu rechnen, die voraussichtlich auch eine Senkung der Preise dieser bisher ja nicht gerade billigen Batterietypen zur Folge haben werden.


Farb-TV-Knappheit in England

(03.04.1968) Die britische Geräte-Industrie ist zurzeit nicht imstande, den gestiegenen Bedarf an Farbfernsehempfängern voll zu decken. Grund: Die BBC strahlt bereits 98% ihres Zweiten Fernsehprogrammes in Farbe aus.


Jedes 10. Auto mit Tonbandgerät

(25.04.1968) In den kommenden Jahren soll in den USA jedes zehnte Auto mit einem Kleintonbandgerät serienmäßig ausgestattet werden.


Intelsat III startet

(08.05.1968) Drei Nachrichtensatelliten vom Typ "Intelsat III" werden 1969 zur Verfügung stehen. Der erste soll im Herbst 1968 gestartet und in eine Synchronbahn über den Atlantik gebracht werden. Über einen solchen Satelliten können gleichzeitig über 1200 Ferngespräche oder bis zu vier Fernsehprogramme übertragen werden.


Telekopie von Xerox

(22.05.1968) Zukunftsmodelle der Rank-Xerox-Vervielfältiger wurden vor kurzem bekannt. So zum Beispiel ein Gerät, das von Mikrofilm nach Vergrößerung auf Papier xerokopiert. Auch ein Verkleinerungsgerät auf etwa 35% der Vorlage - von DIN A4 auch zum Beispiel auf eine lochbare Kreditkarte - steht in Planung.

Bereits fertig ist ein Gerät, das zum Übertragen von Vorlagen über gewöhnliche Telefonleitungen dienen soll, wobei auf der Empfängerseite xerokopisch "gedruckt" wird. Bei einer Gerätegröße von etwa einer Schreibmaschine ist die Übertragungsgeschwindigkeit zirka viermal so hoch wie bei einem Fernschreiber herkömmlicher Art. Farb-Xerokopien sind möglich und im Labor technisch gelöst. Allerdings besteht zurzeit dafür noch kein wirtschaftlich nutzbarer Bedarf.


Tonbänder überdauern Menschenleben

(24.07.1968) Werden Tonbänder richtig behandelt, dann sind sie immer einsatzbereit und können einen Menschen überleben. Zu dieser Entscheidung kamen Techniker der 3M, die Scotch-Tonbänder unter extremen Bedingungen getestet hatten. In einer Versuchsanordnung wurden durch Spezialgeräte 100 Jahre normalen Gebrauchs simuliert. Danach ließen sich keine Veränderungen am Band und in der Tonwiedergabe feststellen.


Schmalband-Bildübertragung von Grundig

(08.08.1968) Die Grundig-Werke, die sich im Rahmen des angewandten, nicht öffentlichen Fernsehens schon lange Zeit mit der Übertragung von Bildsignalen über normale Zweidraht-Leitungen befassen, führten dem Messebesucher in Hannover erstmal ein besonders wirtschaftliches Bildübertragungsverfahren vor. Es handelt sich um ein schmalbandiges Übertragungssystem, bei dem ein Fernsehbild mit üblicher Auflösung innerhalb einer Minute über eine normale Telefonverbindung im Trägerfrequenzverfahren übertragen werden kann und sofort als fotografische Aufzeichnung zur Verfügung steht.

Technisch gesehen ist das Grundig Schmalband-Fernauge als Zusatzgerät zu jedem Telefon geeignet. Da jedoch für diese Neuentwicklung zunächst noch keine Zulassung zum Einsatz im öffentlichen Fernsprechnetz vorliegt, bleibt die praktische Anwendung vorerst auf private Telefonanlagen beschränkt.

Die Aufnahmeeinrichtung besteht aus einer Fernsehkamera, deren Verschluss wie bei einer fotografischen Kamera arbeitet und Momentaufnahmen von ruhenden oder bewegten Szenen erlaubt. Zum Abrufen eines Bildes wird die Rufnummer des Fernsprechapparates, an dem die Kamera angeschlossen ist, in üblicher Weise angewählt. Der elektronisch gesteuerte Verschluss der Kamera öffnet sich automatisch nach einem Code-Signal und belichtet ein Speichervidikon. Sowohl die mit Blendenautomatik ausgestattete Fernsehkamera als auch der zugehörige Fernsprechapparat am Aufnahmeort können bei einer Bildübertragung unbemannt bleiben.

Das im Vidikon gespeicherte Bild wird im Verlaufe von 60 Sekunden abgetastet und in 512 Zeilen zerlegt; dabei beträgt die Bandbreite des Videosignals 2,2kHz. Die Übertragung im 3,4kHz breiten, vom CCITT international genormten Fernsprechkanal erfolgt mit einer Trägerfrequenz von 2,7kHz (AM-Restseitenbandverfahren). Mit dieser Übertragungstechnik wäre nach entsprechender Genehmigung durch die Fernmeldebehörden eine weltweite Bildübertragung im normalen Sprachkanal des internationalen Fernsprechnetzes möglich.

Im Gegensatz zu anderen Einzelbildübertragungsverfahren wie Faksimile oder Bildtelegraphie wird hier der Bildinhalt mit allen Grautönen ohne den Umweg über eine entsprechende Bildvorlage direkt übertragen.

Beim empfangenden Fernsprechteilnehmer befindet sich ein speziell für langsame Abtastung ausgelegter Fernseh-Bildmonitor. Er ist mit einer fotografischen Schnellkamera (Polaroid) gekoppelt, deren Verschluss während der Übertragung geöffnet bleibt. Auf diese Weise wird der Bildinhalt wieder zusammengesetzt und es entsteht ein fertiges Papierbild in vorzüglicher Qualität mit allen Grautönen der aufgenommenen Bildszene.

Im Prinzip kann diese von Grundig entwickelte Schmalband-Bildübertragung auch bei allen anderen heute üblichen Sprechverbindungen eingesetzt werden, wie beispielsweise dem Sprechfunk der Sicherheitsbehörden. Hier kommt der bequemen Übermittlung von Tatortbildern, Steckbriefen oder Fingerabdrücken große Bedeutung zu. Eine praktische Anwendung ergibt sich auch im Bankwesen bei der Übertragung von Dokumenten.

Wie die Erfahrungen zeigen, ist es bei vielen Überwachungsaufgaben oder zu Informationszwecken völlig ausreichend, in manchen Fällen sogar günstiger, wenn anstelle bewegter Bilder jederzeit abrufbare fotografische Einzelbilder zur Verfügung stehen, die sich in Ruhe auswerten lassen.


Europa fehlt technisches Management

(22.08.1968) Das Gefühl der technischen Überlegenheit gegenüber den USA ist heute in der Öffentlichkeit Europas allgemein vorhanden. Alle Voraussagen über die wirtschaftliche Stärke verschiedener Nationen in den Jahren nach 1990 weisen darauf hin, dass die USA zu diesem Zeitpunkt in weitem Abstand vor Europa liegen werden und dass nur Länder wie Japan, Kanada oder Schweden die Chance haben, in das sogenannte post-industrielle Zeitalter einzutreten. In seinem gerade erschienen Buch "Die amerikanische Herausforderung" behauptet J. J. Servan-Schreiber sogar, dass als drittgrößte Industriemacht der Welt nach den USA und der UdSSR in relativ kurzer Zeit die amerikanischen Unternehmen in Europa gelten dürften.

Allgemein wird die augenblickliche Überlegenheit der USA und die Vergrößerung des Abstandes zwischen ihnen und Europa auf die sogenannte technologische Lücke zurückgeführt. Man erklärt das Entstehen dieser technologischen Lücke gern einfach damit, dass der prozentuelle Anteil vom Sozialprodukt an Forschungsaufwendungen in den USA sehr viel größer ist als in Europa und man hofft, die technologische Lücke durch Steigerung der Forschungsausgaben schließen zu können.

Zunächst scheint diese Schlussfolgerung richtig zu sein, denn man kann die Überlegenheit der USA in einen direkten Zusammenhang bringen mit dem dort größeren Aufwand in der Forschung, mit der größeren Anzahl von Forschern und mit dem sehr viel höheren Anteil 20- bis 24-jähriger auf den Universitäten.

Und doch dürfte diese Schlussfolgerung trotz der offensichtlichen Proportionalität nicht richtig sein. Bei näherem Betrachten der Details kommt man jedoch zu folgenden Schlüssen:

Alles in allem lässt sich der Vorsprung Amerikas offensichtlich nur aufholen, wenn man in Europa

  1. ein dem amerikanischen gleichwertiges Management ausbildet und heranzieht
  2. wirksame "Forschungs-Marktforschung" betreibt
  3. staatliche Forschungsmittel vor allem in der Industrie konzentriert
  4. die gesellschaftlichen Umweltbedingungen der modernen Industriegesellschaft anpasst
  5. von den in Europa etablierten, multinationalen Firmen unter amerikanischen Firmen lernt.

Neues Farbkopier-Verfahren von 3M

(22.08.1968) Ein neues Farbkopier-Verfahren stellte die 3M unter der Bezeichnung "Color-in-Color" vor. Es soll nach seiner Laborerprobung noch im Laufe dieses Sommers bei verschiedenen Benutzern getestet werden. Ohne die Verwendung von Flüssigkeiten wie bei herkömmlichen fotografischen Verfahren, gestattet es die Herstellung von Farbkopien bis zu einer Größe von 21 x 27cm von jedem beliebigen Original in weniger als einer Minute. Die Farbwiedergabe soll auch in den Halbtönen befriedigend sein und die Haltbarkeit soll jene von Foto-Abzügen weit übersteigen.


150.000 Schilling pro Telefonanschluss

(26.09.1968) Etwa 150.000 Schilling kostet der Post die Errichtung eines Telefonanschlusses. Die Kosten sind so hoch, weil darin die Ausgaben für Wähleinrichtungen, den Hochbau, den Kanalbau und die Stromversorgung enthalten sind, die für den Telefonbetrieb nötig sind.

[1 Schilling entspricht ca. 0,72 EUR gemäß dem Umrechnungsfaktor, der zur Währungsumstellung per 1.1.1999 angewandt wurde.]


Kodachrome-Patent läuft aus

(24.10.1968) Die grundlegenden Patente für Kodachrome-Patente laufen mit Ende dieses Jahres aus. Es ist daraufhin jedoch kaum zu erwarten, dass Filme anderer Firmen nach diesem Verfahren auf den Markt kommen werden, denn einerseits ist das Ausarbeitungsverfahren bedeutend umfangreicher und andererseits ist trotz der hohen Güte dieses Materials ja doch der Nachteil einer für viele Anwendungszwecke zu geringen Empfindlichkeit gegeben.


Österreichische Erfindung auf der Photokina

(24.10.1968) Eine Sensation der Photokina ist eine Erfindung aus Österreich. Dem versierten Fotografen ist die Scheimpflug-Regel sicher geläufig. Bei ihrer sinngemäßen Anwendung ist es möglich, die Schärfeebene von ganz nah bis unendlich optimal einzustellen. Was hier bisher nur bei großformatigen Fachkameras durch schwenk- und verschiebbare Objektive möglich war, hat die Firma Atzmüller & Rendl aus Linz durch ihre patentierte Neuheit "Varioflex" gelöst.

Mit jedem Schlitzverschluss-Kameragehäuse wird durch Zylinderschalenschwenkung, deren Mittelpunkt sich unmittelbar hinter dem letzten Linsenglied befindet, der Idealzustand einer Zentralschwenkung praktisch erreicht. Diese österreichische Erfindung wurde unter anderem in den USA, Japan, Ost- und Westdeutschland sowie in weiteren Ländern, einschließlich Österreich zum Patent angemeldet.


Lichtempfindliche Fernsehkamera

(21.11.1968) Eine neue Fernsehkamera von Westinghouse lässt Fernsehaufnahmen bei extrem geringer Beleuchtung zu. Sie ermöglicht Speicherzeiten bis zu 15 Minuten. Ein neuer Silizium-Fototransistor von General Electric liefert bei einer Strahlungsdichte von 10mW/cm² einen Hellstrom von 22mA bei einer Betriebsspannung von nur 10 Volt.


1975 in Europa 60.000 Computer

(19.12.1968) Schätzungen zufolge werden 1975 allein in Europa 60.000 Computer in Betrieb stehen; das entspricht dem vierfachen des derzeitigen Computer-Bestandes. Damit wird auch der Bedarf an Geräten zur Vervielfältigung der Computer-Ergebnisse sprunghaft ansteigen. Mehr als 90 Millionen Schilling wird deshalb die Rank Xerox im kommenden Jahr durch die Produktion des "Computer Forms Printer" (CFP) investieren. Dieses Direktvervielfältigungsgerät wurde speziell für den Computermarkt konzipiert. Es ermöglicht das Vervielfältigen, Verkleinern (auf DIN A4) und Sortieren der vom Computer bedruckten Endlosformulare mit einer Geschindigkeit von 40 Drucken pro Minute.

[1 Schilling entspricht ca. 0,72 EUR gemäß dem Umrechnungsfaktor, der zur Währungsumstellung per 1.1.1999 angewandt wurde.]


Jahr 1974

TV-Kopfhörer ohne Draht

(23.01.1974) Der Fernsehton wird störend oft empfunden (frei nach Wilhelm Busch) und ist daher oft Anlass zum Ärger mit den Nachbarn. Hier zeichnet sich eine neue Lösung ab, nämlich die drahtlose Übertragung vom Fernsehempfänger zum Kopfhörer der Fernsehteilnehmer.

Aus fernmeldetechnischen Gründen kommt Hochfrequenz dafür kaum in Frage, weshalb zwei andere Entwicklungen - zumindest im Prototyp - bereits bestehen. Die eine verwendet Infrarot-Licht als Tonträger und nennt sich "Solarphon"-System. Über dem Bedienungsfeld des Fernsehempfängers ist dabei ein Infrarot-Sender eingebaut, der mit dem Fernsehton moduliert ist. Am Bügel des Kopfhörers befindet sich der Infrarot-Detektor mit Verstärker als Empfangsteil. Die Lautstärke lässt sich am Kopfhörer individuell regeln. Praktische Versuche haben gezeigt, dass auch bei einer Kopfdrehung von 90 Grad der Empfang noch einwandfrei gegeben ist.

Ultraschall als Tonträger wurde von Philips demonstriert. Der Empfangsteil ist in diesem Fall ein Kompaktgerät, an das mehrere Kopfhörer angeschlossen werden können. Lautstärke und Klangbild sind individuell einstellbar. Die Tonqualität soll dabei so gut sein, dass Tonbandaufnahmen nach dem selben Prinzip ebenfalls problemlos möglich werden. Wie jedoch der störungsfreie Tonempfang mit der immer stärker in Gebrauch kommenden Ultraschall-Fernbedienung erreicht wird, ist zurzeit noch nicht bekannt.

Beide Verfahren sind frei von einer Postgenehmigung, obwohl genau genommen eine Nachrichtenübertragung mit elektromagnetischen Wellen und daher auch mit moduliertem Licht dem Prinzip nach ebenfalls einer Genehmigung bedarf. Derartiges ist in den einzelnen Staaten jedoch verschieden geregelt.

Für ganz Genaue: Den geltenden Bestimmungen entsprechend, müsste eigentlich jede Verkehrsampel von der Fernmeldebehörde genehmigt sein, weil auch diese eine Nachrichtenübermittlung mit elektromagnetischen Wellen darstellt.


Jahr 1978

Weiteres zum LVR-System - Longitudinal Video Recording

(17.05.1978) Dass es mit diesem Magnetband-Aufzeichnungssystem ernst wird, bestätigt unter anderem die "praktiker"-Meldung im letzten Heft, wonach auch Eumig dafür Geräte entwickeln und auch fertigen wird. In diesem Zusammenhang erreichte uns eine interessante Meldung aus den USA:

In Kalifornien errichtete die BASF auf einem Gelände von fast 20.000m² eine Fabrik für Videorecorder für das LVR-System, der Spatenstich erfolgte bereits im Sommer dieses Jahres. Für die Markteinführung im Herbst 1979, zur Berliner Funkausstellung Ende August soll die Serienproduktion wenige Monate davor anlaufen.

Nochmals in Kürze: Das LVR-System (Longitudinal Video Recording) zeichnet sich durch besonders kleine, mechanisch einfache und dementsprechend billige Bandkassetten aus. Außerdem ermöglicht es auch eine gegenüber den bisherigen Systemen preisgünstige Ausführung der Aufnahme- und Wiedergabegeräte mit besonders geringen Abmessungen und dementsprechend kleinem Gewicht. Dadurch ist außer dem normalen Heimbetrieb für die Aufzeichnung und Wiedergabe von Fernsehsendungen in Verbindung mit einer Kamera auch die Möglichkeit gegeben, problemlos Aufzeichnungen unterwegs, also netzunabhängig durchführen zu können.

Die Aufzeichnung erfolgt mit 48 parallelen Videospuren und zwei Tonspuren im Verlauf der Bandlänge. Nach etwa 2,5min Laufzeit wird automatisch auf die nächste Spur umgeschaltet. Die Umschaltpause von etwa 0,1s ergibt zwar der Theorie nach einen geringfügigen Bild- und Tonausfall, durch geeignete Speicher wird jedoch in der endgültigen Ausführung dafür gesorgt sein, dass diese nicht als Störung empfunden werden. Die Laufzeit mit einer Standardkassette beträgt zurzeit 2 Stunden, durch die geplante Verdopplung der Videospuren ist eine Spieldauer auch von 4 Stunden erreichbar.


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