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HISTORISCHE PRODUKTE & TECHNOLOGIEN

aus Heft Nr. 16 / 1977


HiFi-Weltsensation aus Österreich:
Eumig Metropolitan CC und CCD

Vor längerer Zeit brachten wir schon eine Kurzmeldung darüber, dass "Eumig" zum Anlass der Berliner Funkausstellung in das HiFi-Geschäft einsteigen wird. Wir können nun unseren Lesern darüber Näheres berichten. Diese neuen Produkte werden übrigens ab Oktober dieses Jahres in Österreich und auch weltweit auf den Markt kommen.


Als sachlich denkende Menschen sind wir mit Superlativen sehr sparsam. Beurteilt man jedoch die hier vorgestellten neuen Eumig-Produkte auf Grund ihrer technischen Herstellerdaten, so kann man selbst bei aller Zurückhaltung nur von einer echten technischen Spitzenleistung sprechen.

Compact-Cassette für HiFi!

[BILD] Eumig Metropolitan CCD - (c) ITM praktiker
Bild: © ITM praktiker Kassettenspieler "Eumig Metropolitan CCD" mit vollelektronischer Sensorsteuerung und vielseitiger Mischmöglichkeit, optimalen HIFi-Werten (besser als die Bedingungen der DIN 45511 für Studio-Tonbandgeräte mit einer Bandgeschwindigkeit von 19 cm/s) und exakter Memory-Automatik.

Was bisher kaum jemand für möglich hielt, gelingt mit dem neuen HiFi-Kassettenrecorder, den es sowohl für sich allein mit elektronisch gesteuertem Mischpult wie auch mit einem hochwertigen UKW-Stereo-Rundfunkteil samt Leistungsendstufe gibt:

Die garantierten Herstellerwerte sind selbst mit normalem Eisenoxidband und ohne Dolby besser als bei durchschnittlichen 19-cm/sec-Spulen-Tonbandgeräten! Bei Eisenoxidbändern 30..16000 Hertz mit einem Toleranzbereich von nur 3 dB zu erreichen, mit Chromdioxid- und Eisenchromtypen sogar bis 18000 Hertz bei gleicher Toleranz, ist mehr als selbst Verwöhnte benötigen.

Berücksichtigt man zusätzlich den Geräuschspannungsabstand, der je nach Bandsorte und Dolby-Zuschaltung mindestens 58...73 dB beträgt, und außerdem die besonders geringen Gleichlaufschwankungen (maximal 0,12 Prozent), so zeigen sich zwei wesentliche Erkenntnisse:

Optische Motorregelung

Als grundlegend neuartige Lösung der Gleichlaufprobleme hat Eumig bei seinen neuen Kassettenlaufwerken die optoelektronische Gleichlaufsteuerung eingeführt. Anstelle der trägen Schwungmasse erfolgt die Steuerung durch eine sogenannte "elektronische Schwungmasse" mit einer Regel-Abtastfrequenz von 15000 Hertz. Die geringe Masse von Motor und Welle (weniger als 2 Gramm) erklärt auch die außerordentlich kurze Hochlaufzeit von weniger als 1/25 s.

Zwei massearme Glockenankermotoren dienen außerdem für den optimalen Bandwickel und als gegensinnige Freilaufsteuerung. Dadurch ist auch das Wechseln von einer Funktion zur anderen ohne Stopptaste möglich.

Die praktisch trägheitslose Konstruktion des Wickelmotors gestattet auch, über die Memory-Taste eine programmierte Bandstelle mit großer Präzision sowohl im schnellen Vor- wie auch Rücklauf anzusteuern.

Neues Dreikopf-System

Selbstverständlich findet ein Drei-Tonkopf-System Verwendung. Es ermöglicht eine exakte Hinterbandkontrolle und außerdem auch wirkungsvolle Echoeffekte. Diese Tonköpfe sind für weiten Frequenzbereich und großen Geräuschspannungsabstand entwickelt und auf einer Druckguss-Trägereinheit stabil montiert. Der entscheidend wichtige Kontakt zwischen Band und Köpfen wird durch ein anschwenkbares Gelenk anstelle der üblichen Schiebereinheit optimal erreicht.

Überhaupt ist die Gesamteinheit Antriebsmotor - Cassettenhalterung und Tonköpfe einem völlig verwindungsfreien Druckgusschassis zugeordnet, sodass die Werkeinstellungen unverrückbar bleiben. Anstelle weiterer Erklärungen empfehlen wir unseren Lesern, diesbezüglich die zugehörigen technischen Herstellerangaben eingehend zu lesen.

Als kompakte Verbindung mit dem vorerwähnten Kassettenrecorder "Eumig Metropolitan CCD" (Concert Cassette Deck) wird auch eine HiFi-Kombination angeboten. Sie enthält einen Stereo-UKW-Tuner mit L-Dioden-Anzeige, vollelektronischer Steuerung und einen Hochleistungsverstärker der Spitzenklasse mit einer Mindest-Nennausgangsleistung von 2x50 W Sinus an 4 Ohm. Das integrierte Mischpult kann ohne Zweifel als semiprofessionell bezeichnet werden. Auch diesbezüglich empfehlen wir, nähere Angaben den technischen Herstellerdaten zu entnehmen.


"praktiker" meint dazu:

Eumig Metropolitan CC und CCD

In Verbindung mit der Compact-Cassette ist es Eumig gelungen, ein Aufnahme-Wiedergabegerät zu entwickeln, das seiner Leistung und Konstruktion nach zur Weltspitzenklasse zählt. - Beide Geräte, sowohl der Kassettenrecorder wie auch das HiFi-Kombinationsgerät, werden erstmals anlässlich der Berliner Funkausstellung, etwa mit Erscheinen des vorliegenden Heftes, der Öffentlichkeit vorgestellt. In Österreich ist die Auslieferung mit Anfang Oktober zu erwarten.

Der außerordentlich hohe Aufwand an Halbleitern ist durch zahlreiche vollelektronische Funktionen bedingt, die sowohl der optimalen Leistung wie auch bestmöglichem Bedienungskomfort dienen. Dennoch liegen für das Gebotene die zu erwartenden Verkaufspreise,. wenn man mit Ähnlichem - soweit es Derartiges überhaupt gibt - vergleicht, sehr günstig. Der Kassettenspieler "Eumig Metropolitan CCD" wird voraussichtlich im Allgemeinen unter 15000 ATS kosten und das HiFi-Kombinationsgerät "Eumig Metropolitan CC" maximal 25000 ATS.


TECHNOLOGIE ZUM THEMA:

Detail-Lösungen im Metropolitan CCD

An anderer Stelle dieses Heftes stellen wir die neuen HiFi-Geräte aus der Eumig-Metropolitan-Reihe vor. In diesem Zusammenhang wird mehrfach darauf hingewiesen, dass die erreichten technischen Werte, vor allem jene des Kassettenrecorders, weit über dem liegen, was bisher mit Compactkassetten möglich war. Wie das Detailproblem Rauscharmut in der besonders kritischen Vorstufe gelöst wurde, wird hier gezeigt.

Es ist allgemein bekannt, dass mit Erscheinen der Compact-Tonbandkassette es unmöglich schien, HiFi-Qualität damit zu erreichen. Die ständige Weiterentwicklung der Magnetbandhersteller hat seither in diese Richtung ein Wesentliches beigetragen. Übrig blieb allerdings die Verstärkerseite.

Bei einer Bandgeschwindigkeit von nur 4,75 cm/s und einer Spurbreite von weniger als 1 mm waren diesbezüglich ja bisher kaum lösbare Probleme gegeben. Eumig hat nun im Rahmen seiner richtungweisenden Entwicklungen im Zusammenhang mit Magnetrandspur-Filmprojektoren eine Konzeption gefunden, die vorerst in zwei HiFi-Kassetten-Geräten der absoluten Spitzenklasse verwirklicht wurde.

Abgesehen von jenen Problemlösungen, die den außerordentlich guten Gleichlauf betreffen, wie optoelektronisch geregelter Bandantrieb und massearme Glockenankermotoren für den Bandwickel, galt es auch hinsichtlich des Verstärkerteils eine größere Zahl an Detailproblemen zu lösen.

Ein Beispiel dafür kommt hier zur Vorstellung.

Die rauscharme Vorstufe

Bedingt durch die schmale Magnetspur und die geringe Bandgeschwindigkeit, ist bekanntlich die im Wiedergabekopf erzielbare Spannung sehr gering. Um nun den Störabstand zu dieser im Sinne des hochwertigen HiFi groß zu halten, ist außer einer speziellen Kopfkonstruktion auch der nachfolgende Verstärker dafür entscheidend.

Unter Berücksichtigung der Kopfeigenschaften muss hier der Verstärkereingang einen Widerstand von mindestens 47 kOhm bei einer Eingangskapazität von kleiner als 60 pF aufweisen. Dementsprechend ist für den Verstärkereingang eine Rauschspannung von höchstens 0,3 µV zulässig, bezogen auf den Wiedergabefrequenzgang, bewertet nach der Kurve A.

Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, erfolgte die Verwendung eines HF-Feldeffekt-Transistors als aktiver Bauteil. Um ein möglichst geringes Rauschen zu erreichen, war die Parallelschaltung zweier gleichwertiger FET erforderlich. Sie bringt bei Verdoppelung des Ausgangs-Drainstroms einen Anstieg des unkorrelierten Rauschens nur um den Faktor 0,7 (Wurzel aus 2).

Diese Überlegungen führen aber nur dann zum Ziel, wenn beide FET die gleiche Steilheit aufweisen. In der Praxis wäre das mit großen Schwierigkeiten verbunden, weshalb eine Dimensionierung gefunden wurde, die eine von Exemplarstreuungen weitgehend unabhängige Steilheit garantiert.

[BILD] Eumig Metropolitan CCD: BILD 1
BILD 1.

BILD 1 zeigt die Schaltung der ersten Stufe des Wiedergabeverstärkers und wie das hier angeschnittene Problem dabei gelöst wurde. Ausgegangen wurde dabei von folgender Überlegung:

Nimmt man zwei Transistoren (T1, T2) an den Grenzen des Streubands mit den Pinch-off-Spannungen U/P1 und U/P2 sowie den Strömen 1/DSS1, 1/DSS2, so muss eine Gate-Vorspannung U/V sowie ein wechselstrommäßig überbrückter Source-Widerstand R/S gefunden werden, sodass

[FORMEL]

ist. Diese Gleichungen folgen direkt aus der Kennlinie eines Feldeffekttransistors und aus dem ohmschen Gesetz, wenn man berücksichtigt, dass

[FORMEL]

ist.

[BILD] Eumig Metropolitan CCD: BILD 2 (links) und BILD 3 (rechts)
BILD 2 (links) und BILD 3 (rechts).

BILD 2 und BILD 3 zeigen, dass unter diesen Voraussetzungen die Steilheit S in Grenzen willkürlich angenommen werden kann. Neben der Rauscharmut bietet diese Schaltung daher den Vorteil einer exemplarunabhängigen Verstärkung.

[BILD] Eumig Metropolitan CCD: Schaltbild des Wiedergabeverstärkers - (c) ITM praktiker
BILD 4: Eumig Metropolitan CCD: Schaltbild des Wiedergabeverstärkers.

BILD 4 stellt die Gesamtschaltung des Wiedergabeverstärkers einschließlich der besprochenen Vorstufe und einer Wiedergabeentzerrung unter Verwendung eines aktiven RC-Filters mit elektronischer Entzerrungsumschaltung durch einen FET vor.

Dargestellt ist selbstverständlich nur einer der beiden Kanäle und jener Teil, der unmittelbar dem Wiedergabekopf folgt. Diese, aus dem in Bezug auf die Elektronik sehr umfangreichen Gerät herausgegriffenen Details beweisen, welche grundlegend neuen technischen Erkenntnisse und Konzeptionen in den Eumig-Kassettenrecordern angewandt wurden, um diese mit den geforderten Werten der Spitzenklasse in der Kassettentechnik auszustatten.

Abschließend möchten wir in diesem Zusammenhang auf die im gleichen Heft veröffentlichten technischen Daten der neuen Metropolitan-Reihe von Eumig hinweisen und in diesem Zusammenhang wiederholen, dass sie merkbar über jenen liegen, wie sie die DIN 45511 für Spulentonbandgeräte mit einer Bandgeschwindigkeit von 19 cm/s vorschreibt.

(Auszug aus einer Arbeit von lng. Fritz Schneider und Dr. Robert Scheiber von der Eumig-Projektgruppe Audio.)


TECHNISCHE DATEN:

Technische Daten Eumig Metropolitan CC / CCD


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